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FC Hansa Rostock Und dann fängst du dir auch noch so ein Drecksding ein

Von Peter Richter | 18.08.2019, 14:39 Uhr

Der Rostocker Fußball-Drittligist unterliegt seinem Heim-Angstgegner Sonnenhof Großaspach vor 11 086 Zuschauern mit 0:1.

„Wir sind jetzt in die rote Zone gerutscht. Im Moment gibt keiner was auf uns“, musste Jens Härtel, Trainer des Fußball-Drittligisten FC Hansa, unmittelbar nach dem 0:1 gegen die SG Sonnenhof Großaspach feststellen. „Das Selbstvertrauen ist momentan nicht groß. Aber wir brauchen es. Wir müssen positiv bleiben und uns den Glauben zurückholen.“ Von einem Abstiegsplatz aus gehen die Rostocker die nächste Aufgabe am Freitagabend beim Tabellenführer FC Ingolstadt an…

Die Situation ist alarmierend. Von bisher sechs Pflichtspielen 2019/20 wurden vier 0:1 verloren. Heißt übersetzt: Hinten haut es einigermaßen hin, nach vorn geht vom Ertrag her derzeit gar nichts.

„Das hat mit Fußball nichts zu tun“, sangen am Sonnabend gegen 15.50 Uhr die eigenen Fans. Und sie hatten irgendwo Recht. Die erste Halbzeit mag man akzeptieren, doch die zweite war lauwarme Grütze ohne Gewürze. Das schmeckte einfach nicht, und satt wurde von diesem „Gericht“ auch keiner. Es langte ja noch nicht mal zum siebten Unentschieden hintereinander in diesem speziellen Duell: Viermal in Folge hatten sich Rostock und Großaspach davor 0:0 getrennt, und darauf lief es erneut hinaus. Bis Nico Riebles Ballverlust nebst der von Julian Riedel abgefälschte Schuss von Behounek (79.) zur Niederlage führten…

Damit steht Hansa auch nach dem sechsten Heimspiel gegen die SG Sonnenhof ohne Sieg da (vorher zweimal 1:3 und dreimal 0:0).

In der ersten Halbzeit waren die Weiß-Blauen bis auf eine Ausnahme (Hottmann kam zu einfach zum Abschluss, schoss aber knapp am Kasten vorbei/ 22.) überlegen und hätten entweder durch John Verhoek (scheiterte mit seinem Lupfer an Gäste-Keeper Reule/12.), Nils Butzen (brachte sich mit einem Haken selbst in eine Top-Ausgangslage, doch ebenfalls gehalten/36.) oder Sven Sonnenberg (kraftloser Kopfball nach Ecke/40.) wenigstens einen Treffer erzielen müssen.

Davon konnte nach der Pause nicht mehr die Rede sein. Während es den Hanseaten weiter an Inspirationen, vor allem jedoch an der Genauigkeit im Passspiel fehlte, die Kugel nach wie vor zu oft im Nirgendwo oder gar beim Gegner landete, waren jetzt die Schwarz-Roten tonangebend, hatten ein klares Chancenplus und kamen letztlich glücklich, aber nicht ganz unverdient zum goldenen Tor.

„Die erste Halbzeit war eigentlich ordentlich. Wir hatten das Spiel vollkommen im Griff. Da fehlte uns bei meinem abgefälschten Schuss (in der 17. Minute – d. Red.) oder bei der Chance von Nils auch ein bisschen das Glück. Wenn das 1:0 fällt, wird es vielleicht ein deutlich einfacheres Spiel“, befand Korbinian Vollmann und räumte ein: „Die zweite Hälfte war sehr ausbaufähig. Wir kamen vorne nicht mehr in die wichtigen Zweikämpfe, und dann fängst du dir auch noch so ein Drecksding ein…“

Verhoek, der zunächst an Stelle von Marco Königs stürmte, und Sonnenberg kamen erstmals in einem Punktspiel von Anfang an für Hansa zum Einsatz.

Mirnes Pepic hingegen stand aus disziplinarischen Gründen (NNN berichteten) gar nicht erst im Kader.

Das sagt Trainer Jens Härtel

Wir zeigten eine ordentliche erste Halbzeit und waren die bessere Mannschaft, hatten klar mehr Ballbesitz und drei gute Situationen, um das 1:0 zu machen. In der zweiten Halbzeit war es ein anderes Spiel. Da haben wir zu oft die Eins-gegen eins-Duelle verloren und mussten dann bis zuletzt zurück. Das hat viel Kraft gekostet. Wir fanden in der ersten Viertelstunde gar nicht mehr richtig statt, erst danach ging es wieder. Es war dann eigentlich ein 0:0-Spiel, bevor ein einfacher Ballverlust von Nico auf der Seite und der abgefälschte Schuss zum 0:1 führten. Danach fehlte uns die letzte Überzeugung, den Punkt zurückzuholen. Dafür, wie wir uns in dieser Liga präsentieren müssen, war die zweite Halbzeit schlecht. Wir zeigten unsere Intensität bloß in der ersten. Aber nur wenn wir sie 90 Minuten auf den Platz bringen, sind wir schwer zu schlagen und können erfolgreichen Fußball spielen. Wenn nicht, reichen dem Gegner mitunter zwei, drei Situationen.