Greta Köster : Torhütergen in die Wiege gelegt

Als Torhüterin muss Greta Köster ordentlich zupacken können: Ihr Können stellt sie inzwischen bei Borussia Dortmund und der U16-Nationalmannschaft unter Beweis.
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Als Torhüterin muss Greta Köster ordentlich zupacken können: Ihr Können stellt sie inzwischen bei Borussia Dortmund und der U16-Nationalmannschaft unter Beweis.

Die ehemalige Bützower Nachwuchshandballerin Greta Köster spielt nun für Dortmund und für Deutschland

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16. Dezember 2017, 15:40 Uhr

Der deutsche Frauen-Handball steckt nach dem vorzeitigen Aus der Nationalmannschaft bei der WM im eigenen Land in einer kleinen Krise und steht vor einem personellen Umbruch. Eine Spielerin der nächsten Generation könnte Greta Köster werden, die erst kürzlich ihre ersten Länderspiele für den DHB im Nachwuchsbereich U16 absolvierte und durch ihren Wechsel zum Ballspielverein Borussia (BVB) Dortmund völlig neue Möglichkeiten besitzt.

Es war irgendwie abzusehen, dass es bei Greta Köster nur eine Frage der Zeit ist, dass sie sich in Handball-Deutschland einen Namen macht und heiß begehrt ist. Zahlreiche Auszeichnungen als beste Torhüterin und Nominierungen in Turnierauswahlen zeigten früh ihre Klasse. Greta Köster wurde es aber quasi auch in die Wiege gelegt, Handball zu spielen und dort zwischen den Pfosten zu stehen. „Mein Vater war auch Torwart“, sagt die inzwischen 15-Jährige. Ihr Papa, das ist Andreas Köster, einst selber Torwart beim TSV Bützow und bis dato einer ihrer größten Förderer und Kritiker.

Es lief von Anfang an ganz gut

Den ersten Schritt zum Handball wagte Greta Köster aber mit ihrer Freundin Lea Kellert. Nachwuchstrainierin Gabriele Harloff stellte die damals Siebenjährige auf Anhieb ins Tor. „Es lief dann auch gleich ganz gut“, erinnert sich Greta. Gut ist fast schon untertrieben. Zusammen mit ihren Altersgenossen entwickelte sich unter der Leitung von Papa Andreas Köster eine Mannschaft, die in Mecklenburg-Vorpommern nicht zu schlagen war. Das weckte natürlich Begehrlichkeiten, in der D-Jugend wechselte Greta Köster schließlich zum SV Grün-Weiß Schwerin. Im ersten Jahr pendelte sie zwischen Bützow und der Landeshauptstadt zwei Mal wöchentlich zum Training, was sich eher negativ auf die schulischen Leistungen auswirkte. „Ich war immer erst spät zu Hause, hatte kaum Zeit zum Lernen“, erklärt Greta. Somit blieb ihr nichts anderes übrig, als an das Schweriner Sportgymnasium zu wechseln, wodurch sie auch sportlich deutlich konkurrenzfähiger wurde, weil sie nun auch am Vormittagstraining teilnehmen konnte.

Nun ist der SV Grün-Weiß Schwerin im Frauen-Handball in M-V zwar eine gute Adresse, doch um auf sich aufmerksam zu machen, nutzte Greta Köster ein DHB-Sichtungsturnier mit der Landesauswahl Mecklenburg-Vorpommern in Berlin, als sie Zweiter und als beste Torhüterin ausgezeichnet wurde. Mit Loreen Veit schaffte es übrigens eine zweite ehemalige Bützowerin in das All-Star-Team.

Die Auszeichnung weckte bei Greta Köster das Interesse mehrerer Vereine. „Ich habe dann eine Probewoche in Leipzig und Dortmund absolviert“, erzählt die 1,79 Meter große Schlussfrau. Die Wahl fiel schließlich auf den BVB. „Das Internat dort ist sehr gut. Außerdem ist Dortmund Olympiastützpunkt“, sagt Greta Köster. Nach einem halben Jahr Bedenkzeit war die Wahl aber auch gut durchdacht. „Ich habe zunächst überlegt, ob es zu früh für mich ist, diesen Schritt zu wagen“, beschreibt sie ihre Gedanken. Unterstützung erhält sie auch von Papa Andreas, der sie aber nicht unter Druck setzt. Mama Petra wäre ein Bleiben irgendwie lieber gewesen, dennoch steht auch sie hinter der Entscheidung ihrer Tochter. „Bei mir ist einfach die Sorge, dass die Schule und der Sport für Greta zu viel sind. Aber letztlich war es ihre Entscheidung. Und ich bin stolz auf sie“, sagt Petra Köster.

Im Januar für zwei Wochen in Katar

Die Belastung hat es wirklich in sich. Neben dem Unterricht stehen täglich zwei Trainingseinheiten auf dem Programm. Dazu kommen die Punktspiele mit der weiblichen Jugend B in der Oberliga sowie Aushilfsweise in der A-Jugend-Bundesliga. Außerdem spielt Greta noch für die Nationalmannschaft, nimmt dort regelmäßig an Lehrgängen teil. Erst kürzlich war sie mit dem DHB in Spanien im Einsatz, bei einem Vier-Länderturnier, traf dort auf Frankreich, Spanien und Polen. Deutschland wurde Zweiter. Nächster Höhepunkt ist eine Art Weltmeisterschaft mit ihrer Schule (Jugend trainiert für Olympia) im Januar in Katar. Zwei Wochen weilt sie dann im Wüstenstaat.

Die hohe Belastung geht aber auch nicht an Greta Köster spurlos vorbei. „Das viele Training ist schon eine Umstellung“, sagt sie. In dieser Woche musste sie aufgrund einer Knochenhautentzündung im Schienbein ein paar Tage pausieren und nutzte die Zeit für einen Besuch in ihrer Heimat. Heimweh hat sie ansonsten kaum: „Nur wenn es mal nicht läuft, sehnt man sich nach dem Zuhause“, sagt Greta Köster. Ansonsten telefoniere sie täglich mit Mama, Papa oder ihren Großeltern.

Für ihren Traum muss sie aber Opfer bringen, und das ist nun mal der Schritt in eine Handball-Hochburg, um ihr Ziel, Profi-Handballerin zu werden, erreichen zu können.

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