Leichtathletik : „Für die Athleten ist es nicht schön“

Die Austrittsöffnungen für das Kühlungssystem sind unterhalb der Tribünen zu sehen. Das Khalifa International Stadium – Schauplatz der Leichtathletik-Weltmeisterschaften – gilt als größter Kühlschrank der Welt.
Die Austrittsöffnungen für das Kühlungssystem sind unterhalb der Tribünen zu sehen. Das Khalifa International Stadium – Schauplatz der Leichtathletik-Weltmeisterschaften – gilt als größter Kühlschrank der Welt.

Prignitzer Trainer, Funktionäre und Sportler äußern sich zur Weltmeisterschaft in Doha

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27. September 2019, 21:33 Uhr

Temperaturen um die 40 Grad und ein Stadion, das – mitten in heißen Diskussionen um den Klimawandel – über zehn Tage hinweg auf 26 Grad heruntergekühlt wird. Marathon und Gehen um Mitternacht. Wettkämpfe zu einer Jahreszeit, wo die Sportler eigentlich schon im Urlaub sind. Die Leichtathletik erlebt seit gestern in Doha ihre 17. und umstrittenste Weltmeisterschaft. Die Titelkämpfe sollen 2014 unter dubiosen Umständen nach Katar vergeben worden sein, damals war noch der skandalumwitterte Lamine Diack Präsident der IAAF. Der Senegalese steht seit 2015 in Paris unter Hausarrest, ihm soll der Prozess wegen Korruption gemacht werden. „Der Prignitzer“ fragte nach, wie die Leichtathleten im Kreis über diese Weltmeisterschaft denken.

„Der Termin macht mir Sorgen. Es ist schon sehr spät in der Saison. Das ist der Trainingsaufbau nicht leicht“, meint Erhard Granzow, Vorsitzender des Kreisverbandes Leichtathletik Prignitz. Die Hitze sieht er weniger als das große Problem an: „Ich glaube schon, dass die Athleten darauf gut vorbereitet sind und damit umgehen können“, sagt der oberste Prignitzer Leichtathlet, der außerdem hofft, dass es möglichst keine Dopingfälle während der WM gibt.

In seiner Meinung ein wenig geteilt ist Axel Richert. „Für die Athleten ist eine Weltmeisterschaft bei diesen klimatischen Bedingungen sicher nicht schön. Aber wenn die Resonanz durch das Publikum stimmt und man dazu nimmt, dass sich Doha auch präsentieren möchte, dann sollte man sich überlegen, diesen neuen Weg zu gehen“, sieht der Leichtathletiktrainer des SC Hertha Karstädt die Aktiven als Verlierer.

Klaus Fritz war früher Leichtathlet, später Trainer beim Trainingszentrum (TZ) Perleberg und ist bis heute in verschiedenen Funktionen bei Veranstaltungen dieser Sportart im Kreis helfend tätig. „Ich finde es nicht gut, dass der Weltverband bei diesem Klima die Titelkämpfe nach Doha vergeben hat. Der Marathon wird um Mitternacht gelaufen. Aber es dreht sich alles nur noch ums Geld“, sagt Klaus Fritz.

„Diese WM in Doha ist gelinde gesagt eine Katastrophe und im Oktober eigentlich Quatsch. Bereits im Juni 2020 sind schon wieder die Deutschen Meisterschaften in Braunschweig und im August dann die Olympischen Spiele in Tokio“, kritisiert Toralf Jastram, selbst aktiver Werfer und Trainer der Wurfgruppe des SSV Einheit Perleberg den Termin. Er denkt aber auch an die klimatischen Bedingungen. „Die Temperatur im Stadion wird von 40 auf 28 Grad gekühlt. Hoffentlich holen sich die Athleten da nicht was weg“, sagt Jastram. „Aber es ist halt seit Jahren so eine Entwicklung da. Es geht doch heute nur ums Geld“, lautet sein Schlusssatz.

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