Fussball-Interview : „Vermisse den Fußball ungemein“

Marvin Michitsch (r.) interviewt als Mitarbeiter der Presse-Abteilung des FCM den Spieler Sören Bertram.
Marvin Michitsch (r.) interviewt als Mitarbeiter der Presse-Abteilung des FCM den Spieler Sören Bertram.

Veritas-Kicker Marvin Michitsch, beim 1. FC Magdeburg in der Presseabteilung tätig, spricht über seinen Alltag in der Corona-Krise

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24. April 2020, 20:43 Uhr

Ganz streng genommen ist Marvin Michitsch im Moment gerade doppelt gestraft. Was den Fußball betrifft. Wenn das Leder nicht rollt, dann kann er einerseits in seinem Beruf als Mitarbeiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Drittligisten 1. FC Magdeburg nicht so richtig tätig sein und andererseits auch nicht – zusammen mit Zwillingsbruder Marc an der Seite – als Spieler der Landesklasse-Elf des FSV Veritas Wittenberge/Breese. „Prignitzer“-Redakteur Oliver Knoll sprach mit ihm über seine gegenwärtige Situation in Beruf und Sport sowie über einen möglichen Kontakt oder Austauschzwischen den beiden Fußballklubs.

Marvin, wie geht es dir?
Marvin Michitsch: Mir geht es soweit gut – ich bin gesund und mir ist nicht langweilig. Ich glaube, das ist in diesen Zeiten schon viel wert. Nichtsdestotrotz vermisse ich den Fußball ungemein, sowohl in Wittenberge als auch in Magdeburg.

Wie verläuft dein Tag?
Wie alle Mitarbeiter des 1. FC Magdeburg befinde ich mich derzeit in Kurzarbeit, aber wir versuchen diese Situation als Chance zu sehen. Täglich bin ich im Austausch mit meinen Kollegen, hauptsächlich mit Pressesprecher Norman Seidler. In erster Linie ist es unser Ziel, die finanziellen Verluste so gering wie möglich zu halten. Deshalb überlegen wir uns viele Möglichkeiten, um gerade auch mit unserer medialen Reichweite unsere Wirtschaftspartner zu unterstützen. Unsere Fans wollen wir weiterhin unterhalten, auch wenn der Ball gerade ruht. Auch dafür tragen wir kreative Ideen zusammen. Ich übernehme dabei redaktionelle Aufgaben, Videoschnitt, Fotobearbeitung und die Pflege unserer Social-Media-Kanäle. Neben der Arbeit treibe ich viel Sport, um mich fit zu halten.

Wie ist der Kontakt zur Mannschaft, zu den Trainern oder zum Management?
Da sich auch die Spieler in Kurzarbeit befinden, ist ca. die Hälfte der Mannschaft derzeit nicht mehr in Magdeburg. Mit den Spielern die vor Ort sind, realisieren wir einige Projekte im Rahmen der Möglichkeiten. Vor wenigen Wochen habe ich auch mal Cheftrainer Claus-Dieter Wollitz in seinem Haus in Potsdam besucht, um mit ihm und Maik Franz, unserem sportlichen Leiter, ein Interview durchzuführen.

Maik Franz spendet gerade fleißig für einen Vogelpark, gibt es weitere solcher Aktionen?
Ja, viele Spieler sind eigenständig aktiv und leisten einen Beitrag für die Gesellschaft. Beispielsweise unser Kapitän Christian Beck engagiert sich für die Initiative „Kochen für Helden“. Dabei werden kostenfrei Mahlzeiten an fleißige Menschen ausgeliefert, die in der derzeitigen Situation unverzichtbar sind.
Unsere aktive Fanszene hat ebenfalls ein großartiges Projekt ins Leben gerufen, um den Verein finanziell zu unterstützen. Vor 46 Jahren, am 8. Mai 1974, gewann der FCM als einzige DDR-Mannschaft den Europapokal der Pokalsieger. Im Finale hatte man den AC Mailand mit 2:0 in Rotterdam geschlagen. Diesen Erfolg nahm man nun zum Anlass, um die Fans zu einer erneuten fiktiven Reise nach Rotterdam zu mobilisieren. Dafür können Eintrittskarten sowie Zug- oder Flugtickets erworben werden. Bislang wurden fast 5 000 Tickets zu je 19,65 Euro verkauft. Die Aktion zeigt, wie sehr die Stadt und das Umfeld für diesen Traditionsverein brennen.

Die Saison der 3. Liga fortsetzen oder abbrechen?
Aus unserer Sicht wäre ein Abbruch der Saison die wirtschaftlich vernünftigste Lösung. Die Fernsehgelder könnten die Spieltagskosten sowie die fehlenden Zuschauereinnahmen nicht kompensieren. Unsere Geschäftsführung hat errechnet, dass eine Saisonfortführung um 800 000 Euro teurer wäre als ein Abbruch. So geht es auch vielen anderen Vereinen, nicht jeder würde diese Verluste überleben.

Gibt es – dank deiner Kontakte – in irgendeiner Art und Weise einen Austausch zwischen dem 1. FCM und Veritas?
Bislang war das noch kein Thema. Für mich persönlich wäre es natürlich reizvoll, einmal mit meinen Jungs gegen die Profis zu spielen, mit denen ich täglich zusammenarbeite. Aber dafür muss ich wahrscheinlich noch etwas an unserer sportlichen Leitung graben (Augenzwinkern).

Aber wäre eine Zusammenarbeit grundsätzlich denkbar?

Das Problem ist, dass die Landesgrenze Brandenburg - Sachsen-Anhalt zwischen uns liegt. Unser ehemaliger Kapitän Marius Sowislo ist so etwas wie der Markenbotschafter des 1. FCM, betreut rund 150 Partnervereine aus der Region und Sachsen-Anhalt. Für die Klubs werden dann schon mal Fachvorträge organisiert. Zum Beispiel geben Experten Tipps für die Pflege der Grünflächen.


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