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Rudern Der Chef liegt im Boot

Von bjar | 07.08.2018, 12:00 Uhr

Till Martini vom Olympischen Ruder-Club Rostock ist der Chef im deutschen Vierer mit Steuermann bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Racice

Es ist die dritte Woche in Folge mit einem internationalen Großereignis im Rudern: Nach den U23-Welt- sowie den Europameisterschaften sind nun ab morgen die Junioren mit ihren WM an der Reihe.

Im vorigen Jahr war Mecklenburg-Vorpommern hier nur durch einen einzigen Athleten vertreten. 2018 sind immerhin fünf hiesige Sportler dabei, allesamt Schützlinge von Trainer Ulf Kraemer am Stützpunkt Kessin.

Einer von ihnen ist Till Martini vom Olympischen RC. Er fungiert als Steuermann im Riemen-Vierer.

„Ich war in einer Klasse mit Leon Münch (ebenfalls ORC/ noch amtierender Junioren-Weltmeister im Achter, beendete mittlerweile seine Laufbahn – d. Red.). Er hat mir damals erzählt, sie bräuchten beim Rudern einen Steuermann. Da bin ich dann mal mit hingegangen und hängengeblieben“, erzählt der 1,70 Meter große und 55 Kilogramm leichte Kassebohmer, wie er zu seinem Sport fand.

Selber rudern tut Till zwar nur ungefähr einmal im Jahr, aber ausdauermäßig macht er das volle Programm seines jeweiligen Teams mit, sei es Laufen, sei es Radfahren. Da der 18-Jährige daheim in Kessin im Moment als Steuermann mangelns Ruderern kaum benötigt wird, bringt er sich bereits in jungen Jahren als Übungsleiter ein. Und er ist in seiner speziellen Rolle an den Wochenenden fast immer unterwegs, in Berlin, Potsdam, Hamburg…

Ohne Ulf Kraemer wäre er gar nicht so weit gekommen, beteuert Till Martini. Sein Coach hätte auch dafür gesorgt, dass er überhaupt im Nordost-Bereich des Deutschen Ruderverbandes Fuß fassen konnte. Mit dem Vierer ist er denn auch im Juni bei der entscheidenden Regatta auf dem Fühlinger See in Köln Deutscher Meister geworden – das bedeutete das Ticket für die JWM im tschechischen Racice.

Für den ersten großen internationalen Höhepunkt seiner Laufbahn ist der gebürtige Rostocker, der kürzlich am Käthe-Kollwitz-Gymnasium sein Abitur mit 1,5 machte und sich in seiner Heimatstadt für ein Medizin-Studium beworben hat, „zuversichtlich. Wir müssen natürlich abwarten, wie stark die Konkurrenz ist, und man weiß nie, was passiert. Aber in den vergangenen Jahren sind beim deutschen ,Vierer mit‘ stets Medaillen herausgekommen.“

Was auch immer passiert, der Steuermann – der in diesem Fall nicht wie im Achter im Heck sitzt, sondern auf dem Rücken im Bugkasten liegt, nur der Kopf lugt raus – ist der Chef an Bord. „Das ist jedenfalls der Plan“, schmunzelt Till zustimmend und erläutert seine Aufgabe in den Rennen: „Ich habe ein Headset mit Mikrofon, an Bord befinden sich Lautsprecher. So können mich alle hören, wenn ich ab der Startphase durchgebe, auf welcher Position wir uns befinden, die Spurts ansage oder motivierend einwirke.“

Dass die Richtung stimmt, dafür sorgt er übrigens keineswegs stimmlich, sondern zupackend – mit dem Steuerknüppel in der Hand.

Klar könnte Till Martini theoretisch auch irgendwann Steuermann des Deutschland-Achters werden, doch bezeichnet er das als „eher unrealistisch“ und stellt sich naheliegendere Ziele: dass er auch im nächsten Jahr, dann im U23-Bereich, „wieder zur Weltmeisterschaft mitkommen kann“.

Doch erst einmal gilt es nach der Bus-Anreise über
gut 300 Kilometer von Berlin-Grünau, wo die Unmittelbare Wettkampfvorbereitung stattfand, in Racice möglichst weit vorn mitzumischen.