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Segeln Die Taktikerin, die den Wind liest

Von mabo | 09.06.2018, 09:00 Uhr

Bei der größten Frauensegelregatta der Welt in Hamburg ist die Rostockerin Johanna Meier vom ASVW an den Start gegangen

Wenn der Wind Johanna Meier Salzwasser ins Gesicht spritzt, fühlt sie sich wohl – denn auf einem Segelboot ist sie in ihrem Element. Die 21-Jährige ist als Taktikerin mit dem Akademischen Segelverein Warnemünde in der Bundesliga unterwegs. Zuletzt war sie aber in einem ganz anderen Boot: Bei der Frauen- Regatta Helga Cup segelte sie mit drei Freundinnen – Pia Sophie Wedemeyer, Charlotte Braundulläus und Juliane Zepp – und ergatterte den zweiten Platz. „Wir haben einen Tag vorher eine Trainingseinheit absolviert, dass wir so gut abschneiden, hätten wir nicht gedacht. Wir sind mega zufrieden“, erzählt Johanna Meier.

Das Segeln hat sie schon seit ihrer Kindheit begeistert. In ihrer Heimat Nordrhein-Westfalen hat sie vor allem die Seen erkundet. Mit Beginn ihres Studiums in Rostock vor gut zwei Jahren nutzt sie nun die Ostsee und Warnow als Bühne. „Segeln ist einfach ein cooler Sport: Es geht dabei nicht nur darum, dass du körperlich fit bist, sondern du musst auch ein gutes Auge für den Wind haben, ihn lesen können und die Böen richtig einschätzen.“ Hinzu kommt für sie der Teamfaktor, der sehr wichtig bei dieser Sportart ist. „Das Boot ist nicht sehr groß. Man muss sich auf engstem Raum verstehen und abstimmen – wenn es da Unmut gibt, ist das nicht gut.“ Bei ihrem Verein ASVW, der seit dieser Saison in der 1. Bundesliga antritt, klappt das Teamwork ausgezeichnet.

Der Aufstieg hat wohl auch seinen Teil dazu beigetragen: „Klar, wir sind alle stolz, dort zu segeln. Aber eigentlich machen wir es, weil wir den Sport lieben“, so Johanna Meier. Denn finanzielle Unterstützung erhalten die Vereine für einen Start in der höchsten Klasse nicht.

Das Ziel der 21-jährigen Taktikerin und ihres Teams ist es, nicht abzusteigen. „Nach dem ersten Event waren wir 14. von 18. Das ist okay. Unser Ziel ist es, am Ende über dem Strich zu stehen“, schätzt sie die Chancen realistisch ein. Ein Grund für ihre Zurückhaltung ist auch, dass „die anderen Mannschaften in der Liga ein höheres Niveau und mehr Mittel haben“.

Nichtsdestotrotz hat sie bei der Frauenregatta in Hamburg ihr Können in der Bootsklasse J70 (auch ihre Bundesliga-Klasse) unter Beweis gestellt, nur das DSV-Kaderteam hängte sie ab. „Von dem Erfolg abgesehen war es mal schön, nur unter Frauen zu segeln. Auf dem Wasser dominieren oft noch die Männer“, sagt sie.

Deswegen hat der Norddeutsche Regatta Verein (NRV) mit dem Deutschen Segler-Verband einen Wettbewerb nur für Frauen organisiert. Mit 78 Teams und mehr als 300 Teilnehmerinnen aus Deutschland, Europa und den USA war es die größte Frauensegelregatta der Welt. „Gesegelt wurde ähnlich wie das Bundesliga-Format auf J70 und Seascape, mit kurzen Rennen und rotierenden Gegnern“, erklärt Johanna Meier. Für 2019 ist bereits ein internationales Frauen-Event in Hamburg in Planung: Hochkarätige Teams sollen dann beim „Helga World Cup“ auf der Außenalster segeln.

Da möchte Johanna Meier erneut an den Start gehen, auch wenn ihr Lieblingssegelort Warnemünde ist: „Dort ist konstanter Wind, und das Gefühl, auf einer Welle zu surfen, ist einfach toll.“