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Vollkontakt-Taekwondo Ich wusste nicht, wie mir geschieht

Von BJAR | 09.09.2015, 12:00 Uhr

Sie ist jung, attraktiv, durchtrainiert – und Anna Klenzendorf kickt. Allerdings nicht auf dem Fußballplatz, sondern beim Vollkontakt-Taekwondo. Gegenwärtig bereitet sie sich auf die Studenten-Europameisterschaften vor.

Ende Juni hatte sich die für den Lüdenscheider Verein Olympic Taekwondo startende Lambrechtshägerin bei den Deutschen Hochschul-Meisterschaften in Esslingen für ihre zweiten Studenten-EM nach Moskau 2013 qualifizieren wollen, zog sich jedoch gleich zum Auftakt eine schwere Verletzung zu. Es folgte für den Moment die totale Leere: „Zwei Bänder in meinem linken Fuß waren durch, ein weiteres angerissen. Mein letztes großes sportliches Ziel war mir von einem Moment auf den anderen genommen worden, ohne dass ich was dafür konnte. Außerdem wurde mir von ärztlicher
Seite prognostiziert, dass
ich keinen Leistungssport, kein Vollkontakt-Taekwondo mehr machen könne…“

Doch das Leben ist wie das Wetter: Auf jedes Tief oder auch mehrere folgt irgendwann garantiert wieder ein Hoch, Sonnenschein löst den Regen ab. So auch bei der Dritten der Deutschen Meisterschaften in der Gewichtsklasse bis 62 Kilogramm.

Ein paar Wochen nach ihrer Verletzung meldete sich der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband per Mail bei ihr, fragte an, ob sie Interesse hätte, trotz fehlender sportlicher Qualifikation bei den EM zu starten. „Eine nette Geste. Ich schrieb auch zurück, rechnete aber nicht damit, noch mal von denen zu hören, denn der ADH hatte nicht nur mich, sondern fünf, sechs Kandidaten kontaktiert.“ Doch eines Tages wurde Anna Klenzendorf von der Verwaltung der Fachhochschule für Oekonomie und Management (FOM) in Hamburg, an der sie Wirtschaftspsychologie studiert, informiert, dass sie ausgewählt worden sei und die Einrichtung sie für Kroatien anmelden werde: „Ich wusste nicht, wie mir geschieht!“

Zu dem Zeitpunkt stand die 28-Jährige, die sich schon mal selbst halb im Ernst, halb im Spaß als „krank, irre und verrückt“ bezeichnet, längst wieder auf der Matte. Schon drei Wochen nach ihrem Sportunfall hatte sie – Physiotherapeut Andreas Roesler behandelnd und beratend an ihrer Seite – in ihrem zweiten Zuhause, dem Sportcenter Schwanenteich in Reutershagen, mit leichtem Aufbautraining begonnen. Inzwischen ist sie emsig dabei, sich auf das Kicken mit dem rechten Fuß umzugewöhnen, denn der linke fällt noch aus: „Ich hüpfe schon wieder, aber Laufen zum Beispiel geht noch nicht, und ich habe dauerhaft Schmerzen. Aber was soll passieren?! Ich habe noch acht Wochen, bis dahin kann ich mit beiden Füßen kicken, und wenn erneut was schiefgehen sollte, habe ich es zumindest versucht.“

Anna Klenzendorf plant, bereits am 26. September mit den Norddeutschen Meisterschaften in Hamburg einen ersten Vorbereitungswettkampf zu bestreiten. „Ich brauche die Praxis“, begründet sie. In Opatija würde sie, wenn nötig, auch „bei den
Dicken“ (sie meint die olympische Gewichtsklasse bis
67 kg) starten. Da sei sie flexibel.