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Goalball In der Weltspitze angekommen

Von mabo | 10.06.2018, 20:45 Uhr

Nach dem zweiten Platz bei der WM in Malmö stehen für die deutsche Nationalmannschaft schon die Paralympics 2020 im Fokus

„Ich habe noch immer Gänsehaut“, so der Rostocker Reno Tiede, der sich den Vize-Weltmeistertitel mit der deutschen Goalball-Nationalmannschaft im schwedischen Malmö gesichert hat. Im Finale des Turniers unterlag das Team des Trainerduos Johannes Günther und Stefan Weil dem amtierenden Weltmeister Brasilien mit 3:8. „Das ist wahrscheinlich der schönste zweite Platz, den ich je gemacht habe“, betont der 28-Jährige, denn mit dieser Silbermedaille haben die Deutschen die Qualifikation für die Paralympics 2020 in Tokio perfekt gemacht. „Die Mannschaft hat nun zwei Jahre Zeit, an sich zu arbeiten – und um etwas Zählbares aus Tokio mitzubringen. Es ist überragend, denn keine andere Nation hat sich so früh qualifiziert.“

Bereits mit dem Final-Einzug hatten die Deutschen das Tokio-Ticket sicher – Brasilien musste im Halbfinale gegen Litauen (7:6) zunächst zittern und ins Penalty gehen. Erst nach Deutschland konnten sie sich ihre Teilnahme sicher.

Nach zehn Spielen in sechs Tagen sicherten sich die Deutschen die erste Medaille bei einer Goalball-Weltmeisterschaft seit 28 Jahren. 1990 gewann Deutschland den WM-Titel. „2015 sind zwei der drei Spieler aus der Startformation Jugend-Weltmeister geworden, drei Jahre später werden wir Vize-Weltmeister bei den ,Großen‘, das ist unglaublich. Ich bin total stolz auf die Mannschaft“, sagt Coach Günther und fügt an: „Wir haben Paralympics-Sieger Litauen hinter uns gelassen, haben mit den USA den Silbermedaillengewinner von Rio bezwungen und bei der WM nur Niederlagen gegen Brasilien (bereits in der Vorrunde unterlag Deutschland 3:6 – d. Red.) kassiert.“ Auch wenn das Nationalteam das Turnier mit einer Pleite abschließt, ist die Mannschaft keineswegs enttäuscht: „Wir haben ein geiles Turnier gespielt, uns als Team perfekt ergänzt und einige Ausrufezeichen gesetzt. Die Medaille um den Hals ist groß und schwer, aber sie fühlt sich verdammt gut an“, sagt Michael Feistle.

Die gesamte Nationalmannschaft hat nicht nur in diesem Turnier die sportlich gute Entwicklung fortgesetzt, sondern in den zurückliegenden Jahren hart an sich gearbeitet, wie auch Reno Tiede einschätzt: „Wir haben gezeigt, dass unser Vize-EM-Titel nicht nur Glück war, sondern die Tendenz bestätigt. Wir sind da oben an der Weltspitze angekommen.“

Bevor das Team dies bei den Paralympics 2020 in Tokio beweisen will, stehen im kommenden Jahr erst einmal die Europameisterschaften in Rostock an. Im Oktober soll nach der Vize-Europameisterschaft 2017 nun der Titel angestrebt werden.

Deutsche Goalball-Nationalmannschaft in Malmö: Michael Feistle (Düren, SSG Blista Marburg), Oliver Hörauf (Bautzen, BFV Ascota Chemnitz), Thomas Steiger (Ellwangen, BVSV Nürnberg), Reno Tiede (Rostock, RGC Hansa Rostock), Stefan Hawranke (Zittau, SSV Königs Wusterhausen), Felix Rogge (Neubrandenburg, BFV Ascota Chemnitz)