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Triathlon Profi-Triathlet Raelert verzichtet auf EM in Frankfurt

Von Redaktion svz.de | 27.06.2017, 08:00 Uhr

Der Rostocker Profi-Triathlet Andreas Raelert wählt einen anderen Weg für die Hawaii-Qualifikation. Sonntag souveräner Sieg in Schwerin

Ob nun die rund 500 Aktiven oder die zahlreichen Zuschauer: Wer den 29. Schweriner Schlosstriathlon gemeistert beziehungsweise verfolgt hat, für den stand
außer Frage: Diese Traditionsveranstaltung muss weiterleben und im nächsten Jahr in ihre 30. Auflage gehen. Im Vorfeld war öffentlich geworden, dass schon der diesjährige Wettkampf massiv auf der Kippe stand und nur durch den Einsatz des Schweriner Bürgermeisters und seiner Dezernenten gerettet werden konnte.


Den ersten Triathlon in Schwerin bestritten

Zu den begeisterten Teilnehmern zählte der prominenteste Starter. Der Rostocker Profi-Triathlet Andreas Raelert, unter anderem dreimaliger Ironman-Vize-Weltmeister auf Hawaii, hatte sich spontan entschieden: „Ich bin gerade in Deutschland, und da Schwerin eine wunderschöne Veranstaltung ist, wollte ich mir das nicht entgehen lassen. Übrigens habe ich 1993 hier als Junge meinen ersten Triathlon überhaupt bestritten, damals noch in Godern.“

Dass der heute 40-Jährige letztlich konkurrenzlos war und das Rennen über die olympische Distanz von 1,5 Kilometern Schwimmen, 40 km Radfahren und 10 km Laufen in 1:50:47 Stunden klar für sich entschied, stellte keine große Überraschung dar. Als Zweitschnellster erreichte Dennis Kruse (Tri Sport Schwerin) das Ziel (1:56:59).

Das Einzige, was nicht so ganz passte, war das Wetter. Eine Stunde vor dem Start schüttete es noch einmal kräftig. Und Petrus ärgerte die Läufer auch im weiteren Verlauf mit dunklen Wolken und dem einen oder anderen Schauer. „Na ja, das ist eben typisch norddeutsch“, kommentierte Andreas Raelert lakonisch. „Uns Athleten macht das nicht viel aus. Aber mir tut es ein bisschen leid für den Veranstalter und die Zuschauer.“


Über die USA und Kanada nach Hawaii

Der Rostocker hat die Qualifikation für die Ironman-Weltmeisterschaft am 14. Oktober auf Hawaii weiter fest im Blick. „Ich denke, dass solche kurzen harten Einheiten gut für die weitere Arbeit an der Performance auf der Langstrecke sind“, so
Raelert, der quasi aus den „Katakomben“ des Pro-Rankings für Hawaii – gegenwärtig 323. mit 160 Punkten – den Angriff auf die Top 50
unternimmt.

„Meine Saisonplanung nach dem ungewollten WM-Ausstieg wegen Wiederaufbruchs meines Ermüdungsbruchs vom vergangenen Jahr sah natürlich anders aus. Eine frühzeitige Quali beim Ironman Brasil Ende Mai war das Ziel“, sagt der 40-Jährige. In Florianópolis ging ihm allerdings die Puste aus. Er finishte trotzdem auf Platz 25 der Profis. Statt der erhofften maximal 4000 gab es für den Antritt aber nur eben jene 160 Zähler.

Raelert wäre aber nicht
Raelert, würde er die Brocken hinwerfen. „Ist der denn verrückt?“, fragten sich viele aus der „Dreikampf-Szene“, als keine zwei Wochen danach sein Start auf der Mitteldistanz am Balaton bekannt wurde. Andreas strafte die Kritiker mit einem souveränen Erfolg Lügen. Keszthely war Ausgangspunkt, ja, Test für eine neue Planung, doch noch auf den Zug Richtung Kailua-Kona aufzuspringen. Hawaii 2017 soll nicht ohne den dann 41-Jährigen stattfinden.

Zwei Wege überlegten die drei Raelert Brothers Andreas, Michael und der für das Management zuständige Sven-Peter: Meldung für einen Doppelstart mit Michael bei der Ironman-Europameisterschaft am 9. Juli in Frankfurt/Main oder eine Ersatzvariante. Sven-Peter vor kurzem: „Vorsorglich ließen wir Andy für die EM-Entry-List notieren. Parallel wird USA/Kanada abgewogen.“

Die Entscheidung scheint nun gefallen. In der endgültigen Startliste für Frankfurt/ Main ist unter den 65 um
den Titel kämpfenden männlichen Profis nur noch der frischgebackene 70.3-Europameister Michael Raelert mit der Startnummer 7 vertreten. Sven-Peter begründet den Rückzug von Andreas: „Der Wettkampf kommt nach reiflicher Überlegung zu früh.“

Es geht also über den Großen Teich. Am 16. Juli steht der 70.3 in Racine (Wisconsin) auf dem Programm, folgend der Halbironman am 5. August in Boulder (Colorado), bevor am 20. August noch der Ironman Mont-Tremblant (Kanada) im Fokus stehen wird. Bei einem Sieg-Hattrick kann Andreas Raelert noch auf 3160 Punkte für Hawaii kommen. Ob sie für die WM 2017 reichen? „Es geht unheimlich eng im Ranking zu“, bestätigt Sven-Peter Raelert.

Thomas Willmann,Bernd-Dieter Herold