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Gedenken an tote Mutter Radprofi Greipel: „Ich weiß, sie passt auf mich auf“

Von Ruben Stark | 16.01.2018, 20:45 Uhr

Rostocker Straßenrad-Topsprinter André Greipel widmet Etappensieg bei Tour Down Under seiner verstorbenen Mutter

Nach seinem eindrucksvollen Auftaktsieg in Australien wurde André Greipel emotional. Der Rostocker war in Gedanken bei seiner im November verstorbenen Mutter Gudrun, die an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS gelitten hatte. „Sie ist immer bei mir und wird es immer sein. Ich weiß, sie passt auf mich auf“, sagte der Top-Sprinter berührt nach seinem Erfolg in Lyndoch.

Bei all den Höhen und Tiefen, die Greipel in seiner langen Sportlerlaufbahn schon erlebte, war für ihn die vergangene Saison doch besonders belastend. Schwer zu tragen hatte Greipel am Schicksal seiner Mutter, die immer sehr offensiv mit ihrer Krankheit umgegangen war. „Sie war mein größter Fan, die gesamte Karriere über. Mein gesamte Karriere ist ihr gewidmet“, sagte der 35-Jährige.

Greipel war und ist die Familie besonders wichtig, seine Frau und die beiden Töchter begleiten ihn immer wieder zu Rennen. Der „Gorilla“, wie er wegen seines muskulösen Körperbaus genannt wird, ist in Wahrheit ein sanftmütiger und bodenständiger Typ.

Auch mit dem Kampf gegen die tückische Krankheit, die seine Mutter mit 57 Jahren das Leben kostete, beschäftigt er sich intensiv, gründete 2016 eine Stiftung, die die ALS-Forschung unterstützt.

Abschied zu nehmen, war sehr hart. „Es war nicht die leichteste Saisonpause, die letzten zwei, drei Monate…“, sagte Greipel, und blickte dann nach vorn: „Wir haben eine Menge Unterstützung in der Familie, ums Team herum. Es war nicht leicht, damit klarzukommen und ist es nach wie vor nicht, aber der Sport hilft mir.“

Der Sport, den er im letzten Jahr nicht mit der vollen Konzentration und Fokussierung ausüben konnte wie gewohnt. Die ausbleibenden Erfolge nach einer ordentlichen ersten Saisonphase drückten zudem aufs Gemüt.

2018 ist deshalb auch so etwas wie ein neuer Anfang. „Mit einem Sieg zu beginnen, ist immer gut“, sagte der Profi des belgischen Teams Lotto-Soudal. Vor allem, weil Greipel sich in einem klassischen Massensprint gegen sehr namhafte Konkurrenten wie den australischen Lokalhelden Caleb Ewan oder Weltmeister Peter Sagan durchsetzte und bewies, dass er trotz fortgeschrittenen Sportleralters noch einiges zu bieten hat.

„Jeder sagt dir, wenn du 35 bist, dann wirst du langsamer“, sagte der elfmalige Etappensieger der Tour de France, „aber ich spüre das nicht und ich liebe es einfach, Rennen zu fahren.“

Bei der Tour Down Under war es Greipels 17. Tagessieg, er führt die Rekordliste des traditionellen Saisonauftakts an. Auch wenn er wegen des bergigen Profils in diesem Jahr seine Chance auf den dritten Gesamtsieg bei „null Prozent“ sieht – der Ausflug nach dreijähriger Australien-Abstinenz hat sich schon jetzt gelohnt.