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Wasserspringen „Wenn das kein Kracher ist, heiße ich ab sofort Meier“

Von Redaktion svz.de | 28.06.2015, 19:25 Uhr

Anna Shyrykhay vom WSC Rostock holt bei den Europameisterschaften der B-Jugend einmal Silber und zweimal Bronze

Andreas Kriehn, Vorsitzender des Wasserspringerclubs Rostock, war nach Erhalt der Informationen über Silber und zweimal Bronze von Anna Shyrykhay bei den Europameisterschaften der B-Jugend im Wasserspringen in Moskau förmlich aus dem Häuschen: „Wenn das nach den Plätzen eins und drei von Saskia Oettinghaus bei den Europaspielen in Baku kein Kracher ist, heiße ich ab sofort Meier.“

Verständlich, dass der Draht Richtung russische Hauptstadt bereits nach Rang drei vom Drei-Meter-Brett glühte: „Ich habe Trainer Michail Sachiasvili umgehend gratuliert.“ Der hatte in seiner bescheidenen Art nur ein Wort übrig („Danke“) und widmete sich gleich der finalen Vorbereitung seines Schützlings auf die Entscheidung vom „Einer“. Schließlich wurden Anna hier eigentlich die größten Chancen zugebilligt. Bronze vom olympischen „Dreier“ hatte wohl niemand so richtig auf dem Zettel gehabt. Doch in der Stunde der Bewährung – schließlich war das ihr erster internationaler Einsatz für den Deutschen Schwimm-Verband – zeigte die junge Dame aus dem Jahrgang 2000 eiserne Nerven. „Sie ließ sich durch nichts beirren, brachte ihre Sprünge, ob in der Pflicht oder Kür, sauber ins Wasser“, anerkannte Nachwuchs-Bundestrainer Frank Taubert und fügte augenzwinkernd hinzu: „Ob Saskia oder Anna – halt coole Norddeutsche, auf die Verlass ist.“

Die Nacht vor der Entscheidung vom Ein-Meter-Brett war für Anna Shyrykhay natürlich ein wenig unruhig. Morgens stimmte der Georgier Sachiasvili sie noch einmal ein: „Konzentriere dich, lasse alles um dich
herum links liegen. Nur die Sprünge zählen, und die kannst du.“

Die Trainerworte gingen keineswegs in das eine Ohr rein und aus dem anderen gleich wieder heraus – die 15-Jährige machte Nägel mit Köpfen, beeindruckte die gestrengen Wertungsrichter mit Eleganz der Sprungausführung und einer guten Eintauchphase. „Ich hatte auch vollstes Vertrauen in das Mädel“, meinte Michail Sachiasvili. Das auch vor dem letzten Sprung, als Edelmetall so greifbar nahe war. „5231D“ kündigte die elektronische Anzeigetafel an – eineinhalb Salto rückwärts mit einer Schraube. Zwar „nur“ ein Schwierigkeitsgrad von 2,1, „doch der muss erst in der Stunde der internationalen Premiere erst einmal sauber ins Wasser gebracht werden“, so Andreas Kriehn. Und er wurde es – Silber für Anna! Kaum dem Becken entstiegen, lag sie sich mit
ihrem Coach in den Armen, auch Leonard Bastian (ebenfalls vom WSC, Zehnter vom Drei-Meter-Brett) gehörte zu den ersten Gratulanten.

Baku und Moskau – eine Erfolgsgeschichte, die den WSC Rostock sicher ein ganzes Stück weiter nach vorn bringen wird.

Dazu gehört auch Annas Bronzemedaille im Synchron mit Annika Miethig (Berlin).

Durchaus vorstellbar, dass es perspektivisch einmal ein Duo Oettinghaus/Shyrykhay geben wird…