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Rudern „Wir waren echt am Limit“

Von bjar | 06.08.2018, 09:45 Uhr

Der Deutschland-Achter mit Hannes Ocik wird zum sechsten Mal in Folge Europameister. Ein beginnender Infekt bremst Marie-Louise Dräger aus

Der Deutschland-Achter mit dem die Schweriner RG von 1874/75 vertretenden Rostocker Hannes Ocik ist am Sonntag auf dem Glasgower Strathclyde Loch zum sechsten Mal in Folge Europameister im Rudern geworden.

„Wir haben die drei Weltcups gewonnen, aber die Einschläge der Gegner kommen immer näher. Wir sind noch nicht getroffen worden, und so soll es bleiben“, hatte der verantwortliche Coach Uwe Bender vor EM-Beginn geäußert.

Was die Einschläge betrifft, schien es am Sonntag tatsächlich so, als könnten seine Männer in Schwierigkeiten geraten: ganz ungewohnt nur Vierter nach den ersten 500 der 2000 Meter!

Doch die Deutschen hatten sich ihre Körner gut eingeteilt, handelten taktisch schlau: In ihrem grünen Flitzer übernahmen sie bei 1185 Metern die Führung und zogen weg, lagen im Ziel nach 5:27,48 Minuten über zwei Sekunden vor den mit dem letzten Schlag noch an Rumänien vorbeiziehenden silbernen Niederländern. Verdienter Lohn waren die originellen dreieckigen Medaillen in Gold.

Bedient war man beim Gastgeber: Für die hoch gehandelten Briten langte es in 5:31,95 lediglich zu Platz fünf.

„Wir haben uns auf der ersten Streckenhälfte gut festgebissen und wussten, wenn wir bei 1000 Metern gut dabei sind (zu dem Zeitpunkt Zweiter hinter Holland – d. Red.), können wir das auch gewinnen. Wir waren echt am Limit“, so der Schlagmann aus Mecklenburg. „Der Achter ist die zweiten 1000 Meter stark gefahren, die Startphase lief aber noch nicht optimal“, meinte der leitende Bundestrainer Ralf Holtmeyer.

Der gestrige Tag begann aus MV-Sicht missliebig. Die für Schwerin startende Rostockerin Marie-Louise Dräger konnte zum A-Finale des nichtolympischen Leichtgewichts-Einers – es siegte die Weißrussin Alena Furman – nicht antreten. „Ich schaue mir gerade mein Rennen vor der Leinwand an“, gab Marie-Louise noch während des Endlaufs Auskunft. „Leider hat mich ein beginnender Infekt der oberen Atemwege ausgebremst. In Hinblick auf die WM-Vorbereitung wollen wir kein Risiko eingehen.“

Bereits am Sonnabend hatte sich der Vierer ohne Steuerfrau mit Frauke Hacker vom Olympischen Ruder-Club beim Sieg der Russinnen (6:39,97) mit Platz sechs begnügen müssen (6:47,68). Gleichwohl schätzte die Rostockerin ein, es sei „ein gutes Rennen“ gewesen, nur „haben wir leider vorne wohl etwas liegen lassen. Wäre das besser
gewesen, wäre wohl auch über den Rest der Strecke im Bord-an-Bord-Kampf mehr gegangen.“

Lob gab es von Ralf Holtmeyer: „Der Vierer ohne war gut. Wenn die vorne raus etwas mehr Gas geben, ist da auf jeden Fall noch mehr drin.“

Frauke sowie Sophie Oksche (Ingolstadt), Ida Kruse (Münster) und Alexandra Höffgen (Neuss) haben sich jedenfalls in Glasgow ausreichend bewährt und dürfen mit zu den Weltmeisterschaften.

Damit sind vier MV-Ruderer vom 9. bis 16. September in Plovdiv dabei. Bereits vorher nominiert waren Ocik, Dräger sowie Stephan Krüger (Frankfurter RG Germania 1869/ ORC), der mit dem Doppelvierer die EM ausließ.

Julia Leiding wurde in Schottland in der Disziplin „Women’s Quadruple Sculls“ Neunte. Der Doppelvierer mit der 24-Jährigen vom Rostocker RC von 1885 im Bug belegte im B-Finale hinter Italien und Frankreich Rang drei. „Mit dem Endergebnis bin ich nicht ganz zufrieden. Wir haben uns von Rennen zu Rennen gesteigert. Das war gut. Eigentlich wollten wir im A-Finale um die Medaillen mitfahren, mussten uns nach der wenigen Vorbereitung aber mit diesem Abschneiden zufriedengeben“, so Julia. Gold ging an Polen.