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Olympische Spiele Bahnrad-Ass Lea Sophie Friedrich mit großen Hoffnungen nach Tokio

Von Ralf Herbst | 26.07.2021, 20:03 Uhr

Als letzte der MV-Hoffnungen für Olympia ist jetzt auch Bahnrad-Ass Lea Sophie Friedrich nach Japan aufgebrochen. Nächste Woche geht sie dort dreifach auf Medaillenjagd: im Teamsprint, Sprint und Keirin.

Mit dem Flug am Sonntagabend ist als letzte MV-Starterin nun auch Bahnrad-Ass Lea Sophie Friedrich vom Schweriner SC zu den Olympischen Spielen nach Tokio aufgebrochen. Genauer gesagt in das etwa 120 Kilometer von der japanischen Hauptstadt entfernt gelegene Izu, auf dessen Velodrom die Bahnrad-Wettbewerbe ausgetragen werden. Eine Woche Zeit zur bleibt Lea bis zum ersten olympischen Rennen ihrer Karriere. Am nächsten Montag geht es mit dem Teamsprint los.

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Schon lange lebt der Traum vom olympischen Medaillengewinn

Dass sich die deutschen Olympioniken akribisch auf die Spiele vorbereitet haben, steht außer Frage. Einem intensiven Lehrgang bis Ende Juni in Cottbus, wo Lea schon seit Monaten zeitweise auch beim früheren Weltmeister Bill Huck trainiert, schloss sich Anfang Juli das letzte, von fünf Heimfahrttagen unterbrochene Trainingslager auf der Holzbahn von Frankfurt (Oder) an. Das waren ohne Zweifel ebenfalls sehr intensive Wochen, jedenfalls Leas kürzlich vorgenommenem Instagram-Eintrag zufolge. „Eat, train, sleep, repeat“ (Essen, trainieren, schlafen, wiederholen) umschrieb sie den dort tagtäglich wiederkehrenden Ablauf kurz und bündig.

Aber das war kein Problem. Die 21-Jährige, die 2018 als erste überhaupt bei einer Junioren-WM alle vier möglichen Titel holte (Teamsprint, Sprint, Keirin sowie 500 m), weiß schließlich genau, wofür sie sich schindet. „Ich möchte bei den Olympischen Spielen eine Medaille gewinnen. Das ist der große Traum“, hatte sie bei einem Gespräch in unserer Redaktion schon vor mehr als zwei Jahren ihre Ziele umrissen. Und daran hat sich nichts geändert. Im Gegenteil, die Ziele sind eher noch höher geworden.

Schon beim Auftakt im Teamsprint allerbeste Karten

In Japan muss es nun nur noch mit dem Wegschlafen des Jetlags und mit der Akklimatisierung klappen. Am kommenden Montag bei der Qualifikation für den Teamsprint wird Lea ihr erstes Rennen unter den fünf Ringen überhaupt bestreiten. Noch am gleichen Abend kann sich, sofern alles nach Plan läuft, ihr olympisches Medaillenziel schon erfüllen.

Zur Erinnerung: Bei der bislang letzten WM Anfang 2020 in Berlin holten die deutschen Frauen den Titel. Emma Hinze (Cottbus) und Lea Sophie Friedrich fuhren damals zum Gold. Beide – abgesichert von Ersatzfrau Pauline Grabosch (Erfurt) – sollen es auch in Izu richten. „Als amtierende Weltmeister wollen wir natürlich um die Goldmedaille fahren“, hält Bundestrainer Detlef Uibel mit seinen Ansprüchen nicht hinter dem Berg.

Trotz Corona seit der WM 2020 spürbar weiterentwickelt

Und die Hoffnungen sind riesig, dass gerade die Kurzzeitspezialistinnen Emma Hinze und Lea Sophie Friedrich dem bisher eher spärlichen deutschen Medaillenfluss Schwung verleihen können. Hinze gewann vor eineinhalb Jahren in Berlin neben dem Teamsprint auch noch die WM-Titel in Sprint und dem japanischen Kampfsprint Keirin. Friedrich holte sich noch Gold über die (nur 2000 in Sydney und 2004 in Athen olympischen) 500 Meter.

Damals war sie gerade 20 geworden, hat sich in den eineinhalb Jahren seither aber trotz vielerlei Corona-Beschränkungen weiterentwickelt und ihren kometenhaften Aufstieg weiter schnurgerade vorangetrieben. So konnte sie zum Beispiel bei der U23-EM im vorigen Oktober ihren vierfachen Titel-Coup der Junioren-WM wiederholen und zeigte zuletzt auch Emma Hinze immer häufiger das Hinterrad.

„Ich bin schneller geworden, habe mehr Kraft und bin auch im Kopf weiter als damals“, sagt die nun 21-Jährige, die im Frühjahr ihre dreijährige Ausbildung bei der Bundespolizei erfolgreich abschloss.

Olympiasiegerin Vogel: „Bei Lea kann es mehr als einmal klingeln“

Für die seit einem Trainingsunfall auf der Cottbuser Bahn vor rund drei Jahren querschnittsgelähmte zweifache Olympiasiegerin Kristina Vogel ist das Juwel vom Schweriner SC schon für Izu so etwas wie ein Geheimfavorit. „Bei Lea kann es vielleicht sogar mehr als einmal klingeln“, sagte Vogel, die Lea Sophie unter anderem auch von einer gemeinsamen Silvesterfeier kennt, jüngst der „Thüringer Allgemeine“ und fügte hinzu: „Auch wenn sie mit 21 Jahren noch eine ganz junge Athletin bei ihren ersten Spielen ist: Wenn ich gegen sie fahren müsste, dann müsste ich in der Taktikkiste schon ziemlich tief kramen.“