Volleyball-Play-off-Finale : SSC muss sich Stuttgart im ersten Spiel geschlagen geben

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SSC verliert erwartet engen Meisterschafts-Finalauftakt auswärts mit 1:3  (-21, 21, -23, -23)

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27. April 2019, 18:26 Uhr

„Das werden nicht nur drei Duelle“, hatte sich Felix Koslowski vor dem heutigen ersten Spiel der Play-off-Finalrunde um die deutsche Volleyball-Meisterschaft der Frauen aus dem Fenster gelehnt. Schon jetzt muss man sagen: Hoffentlich hat der SSC-Trainer Recht. Denn sein Meisterteam von 2017 und 2018 hat das erste Duell bei Allianz MTV Stuttgart, dem Vizemeister der vergangenen vier Jahre, mit 1:3 verloren.

Beide Mannschaften auf Augenhöhe

Jedoch möchte man gleich hinzufügen: Wahrscheinlich hat er Recht. Denn schon das erste Spiel hat mit dem 25:21, 21:25, 23:23, 25:23 für die schwäbischen Gastgeber das erwartet enge Ergebnis zwischen zwei Mannschaften auf Augenhöhe gebracht.

2251 Zuschauer in ausverkauften Stuttgarter Scharrena sahen von Beginn an zwei konzentriert spielende Kontrahenten, die sich nichts schenkten. Auch der SSC, in jüngster Zeit das ein oder andere Mal wegen eines verschlafenen ersten Satzes kritisiert, war von Beginn an hellwach, sah sich aber dennoch im ersten Satz nach dem letzten Gleichstand zum 11:11 nur noch in der Verfolgerrolle. Und als beim dritten Stuttgarter Satzball die für die unsichere Aufschlägerin McKenzie Adams eingewechselte Nanaka Sakamoto ihrerseits mit ihrem zweiten Aufschlag nur ins Netz traf, hieß es 21:25 aus Sicht des Titelverteidigers.

SSC zeigt sich kämpferisch

Der schien nun zunächst Nerven zu zeigen, lag im zweiten Durchgang schnell 2:5 und 4:7 zurück, kämpfte sich aber gleich wieder heran und ließ nun nach dem 13:13 seinerseits Stuttgart hinterherlaufen. Nur in der Schlussphase wurde es noch einmal brenzlig, als ein 23:18-Vorsprung auf 23:21 zusammenschmolz. Aber Kimberly Drewniok mit einem ihrer 20 Punkte (nur MTV-Topscorerin Krystal Rivers hatte noch einen mehr) sowie ein gelungener Block von Denise Hanke und Beta Dumancic gegen Stuttgarts Sarah Wilhite entledigten den SSC für diesmal aller Sorgen.

Ausgeglichen wie der Satzstand ging es zwischen den beiden deutschen Topteams auch im dritten Durchgang weiter. Als seine Mannschaft ein bisschen  den Faden zu verlieren schien und den Gegner zunächst beim 11:14 und dann noch einmal beim 16:19 ein wenig enteilen ließ, nordete Felix Koslowski die Mädels mittels Auszeiten neu ein – beim 15:15 und 21:21 waren sie jeweils wieder da. Auch noch beim 22:22 und 23:23. Doch dann schlug zweimal Krystal Rivers zu. Erst von der linken, dann von der rechten Angriffsseite – und es hieß 23:25 aus Sicht des SSC.

Spiel zwei vor heimischen Publikum soll Sieg bringen

Schade, musste man in diesem Fall sagen. Immerhin, ist wohl der korrekte Ausdruck für den gleichen Endstand in Satz vier. Denn auch hier erwischte Stuttgart einen Start nach Maß, setzte sich auf 4:1 und 11:6 ab. Erst in der Schlussphase durften die 14 mitgereisten Unentwegten vom SSC-Fanclub „Gelbe Wand“ nochmals Morgenluft wittern, als der Meister nach dem 21:24 per  Angriffspunkt von Beta Dumancic und einem Block von Greta Szakmary zum 23:24 aufschloss. Doch dann verfehlte wiederum Nanaka Sakamoto mit einem Aufschlag das Feld…

Stuttgart führt nun in der Play-off-Wertung mit 1:0. Schon am Mittwoch (17.10 Uhr) geht die Serie weiter und dann will der SSC vor heimischen, sicher ebenfalls vollen Rängen ausgleichen.

Schweriner SC - MTV Stuttgart: Ein Vergleich

Formkurve

SSC: Obwohl die beiden bisherigen  Play-off-Runden ohne Niederlage  gemeistert wurden, agierte der Meister nicht immer souverän. Sowohl im zweiten Viertelfinalspiel in Münster als auch zum Halbfinalauftakt gegen Potsdam schrammte der SSC bei 3:2-Siegen an Niederlagen vorbei – gegen Potsdam mit einem 17:15 im Tiebreak sogar nur haarscharf.

STUTTGART: Sowohl im Play-off-Viertelfinale gegen Wiesbaden als auch im Halbfinale gegen Aachen ließ der MTV absolut nichts anbrennen. Lediglich ein Satz wurde abgegeben. Allerdings gingen sechs der zwölf Gewinnsätze mit dem Minimalvorsprung von zwei Punkten zu Ende, drei davon gar erst in der Verlängerung.

FAZIT: leichter Vorteil für Stuttgart

Nervenstärke

SSC: Beim Meister gilt in dieser Saison bislang: Wenn sie gefordert sind, dann liefern die Mädels. Das war so gleich zu Beginn im Supercupfinale gegen Dresden (3:1) und ebenso im Pokalfinale Ende Februar gegen Stuttgart (3:0). Das galt aber auch in der Champions League, in der in der Hammergruppe D alle drei Heimspiele gewonnen wurden und dem Finalisten Conegliano außerdem mit einem 2:3 in Italien noch ein vierter Punkt „geklaut“ werden konnte.

STUTTGART In der Champions League schaffte es der deutsche Vizemeister ins Viertelfinale. Das war jedoch in der Gruppe A, dem leichtesten der fünf Pools, mit Gegnern wie Beziers (Fra) und Plowdiw (Bul) quasi  Pflicht. Vakifbank Istanbul in der Gruppenphase und auch in der Runde der letzten acht den jetzigen Finalisten Novara konnte Stuttgart nicht überraschen. Und auch im Pokalfinale gegen den SSC gelang es dem Schwaben-Team mit zumeist fünf US-Girls im Stammsechser  nicht, das entscheidende Quäntchen mehr aus sich herauszukitzeln.

FAZIT: Vorteil SSC

Spielanlage

SSC: Trainer Alexander Waibl sagte nach dem Gastspiel seines Dresdner SC beim SSC Mitte Februar: „Wenn ich wählen kann, spiele ich lieber gegen Stuttgart als gegen Schwerin. Stuttgart ist leichter ausrechenbar. Wenn der SSC sein unheimlich schnelles Spiel über die Außen aufzieht, dann wird es für jeden Gegner sehr, sehr schwer.“

Außenangreiferin McKenzie Adams, aber ebenso  Diagonalspielerin Kimberly Drewniok, die sich im ersten Jahr nach Louisa Lippmann in deren großen Fußstapfen schon erstaunlich gut zurechtfindet, sind die Topscorerinnen des SSC. Zudem ist das Mittelblockerduo Lauren Barfield und Beta Dumancic eine Bank.

STUTTGART Stuttgarts Angriffsspiel steht und fällt mit  Diagonalspielerin Krystal Rivers. Allerdings ist die US-Amerikanerin kaum aus dem Spiel zu nehmen. Dem SSC gelang das im Pokalfinale recht gut, als man ihr „nur“ 11 Punkte gestattete. In den Punktspiel-Duellen   schlug Rivers jedoch mit 19 bzw. 32 (!) richtig zu und ist aktuell mit durchschnittlich 5,4 Punkten pro Satz auch Topangreiferin der Play-offs.

Bei guter Annahme nutzt der MTV auch gern das sogenannte erste Tempo über die starken Mittelblockerinnen Molly McCage und Paige Tapp. Immer zu beachten ist zudem Außenangreiferin Sarah Wilhite.

FAZIT: Vorteil SSC

Jüngste Duelle

SSC: Nach zuvor zehn Siegen am Stück  seit der Pokalfinal-Niederlage 2017 musste sich der SSC zu Weihnachten 2018 daheim Stuttgart mit einem 1:3 erstmals wieder beugen. Das wurde anschließend mit zwei Siegen jedoch wieder wettgemacht: mit dem bereits erwähnten 3:0 im Pokalfinale und mit einem 3:2 im drittletzten Punktspiel der Saison.

STUTTGART Wenn man das Wort Angstgegner umgehen möchte, Stuttgarts national unangenehmster Widerpart ist der SSC aber auf jeden Fall. Bei den zehn Niederlagen nach dem 3:2 zum Pokalsieg 2017 fuhr Stuttgart die ernüchternde Bilanz von 7:30 Sätzen ein und verlor dabei auch die Meisterschaftsfinalserien 2017 und 2018 ohne jeglichen eigenen Sieg.

FAZIT: Vorteil SSC

 
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